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WILHELM BUISSON



geboren am 17. April 1892,

Deutscher, Apotheker,

seit April 1926 beim FC Bayern, Funktionär

SPD- und Reichsbanner-Mitglied,

beteiligt am aktiven Widerstand,

ab 1933 im Untergrund

in der Tschechoslowakei,

plante ein Attentat auf Hitler,

hingerichtet wegen Hochverrates

am 6. September 1940 in Berlin-Plötzensee.

Wilhelm Buisson wurde am 17. April 1892 in Emmendingen (Baden) geboren und kam 1913 nach München, um Pharmazie zu studieren, was er mit Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg, wo er Militärdienst leistete und mehrfach verwundet wurde, im Jahre 1920 mit Erfolg abschloss.

In München schloss er sich im April 1926 dem FC Bayern an und kümmerte sich als Vergnügungswart um einen wichtigen Teil des Vereinslebens. Buisson organisierte Mitgliederversammlungen und Feierlichkeiten sowie auch Auswärtsfahrten. Wilhelm Buisson stellte dabei auch den ersten bekannten Autokorso zu einem Auswärtsspiel nach Nürnberg auf die Beine. In einem Aufruf von Buisson aus den Clubnachrichten im März 1929 heißt es:

„An alle Auto-fahrenden Bayern“

Zunächst zur Beruhigung: Es soll keine neue Sportabteilung im FC Bayern gegründet werden. Aber die Zahl der autofahrenden Bayernmitglieder ist so stattlich geworden, dass es bestimmt nur einer Anregung bedarf, um die Herrenfahrer im Club gesellig zusammenzuführen und diese Anregung soll hiermit gegeben werden.

Wissen Sie, daß beim Spiel unserer Ersten in Augsburg auf dem Schwabenplatz 26 Bayernautos geparkt hatten und daß das hundert anfeuernde Zuschauer bedeutete? Und das ohne jedwede Verabredung oder Organisation! Auf drei verschiedenen Anfahrtswegen waren die gekommen und nach dem Spiel fuhren sie einzeln wieder nach München zurück. Wenn einem unterwegs wirklich ein Bayernauto begegnete, dann gabs aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit heraus ein gegenseitiges freudiges Winken und Grüßen.

Wieviel schöner und lustiger wär’s aber noch gewesen, wenn wir gemeinsam gestartet und geschlossen gefahren wären, an jedem Wagen ein fröhlich flatternder Wimpel in unseren lieben Farben Rot-Weiß und wenn wir alle uns auf der Rückfahrt irgendwo zum gemeinsamen Abendessen gemütlich zusammengesetzt hätten!

Und das sollte sich nicht arrangieren lassen? Machen wir die Probe aufs Exempel – sie wird gelingen!

Am 14. April tritt unsere Erste in Nürnberg gegen den 1. FC an. Das Gros der Bayernmitglieder wird mit dem beschleunigten Morgenzug nach Nürnberg fahren. Es ist eine gewaltige Unterstützung für unsere elf Besten, wenn sie auf fremdem Platze die moralische Stütze einer großen Anhängerschar finden. Fragen Sie darüber einmal unseren Hans Schmid! Wenn unsere Mitgliedschaft die große Bedeutung dieser Unterstützung erkennt, dann muß der Zug nach Nürnberg überfüllt werden und da dürfen wir autofahrenden Bayern unseren übrigen Freunden den Platz nicht wegnehmen.

Jetzt, wo die lachende Frühlingssonne den grimmigen Winter k.o. geschlagen hat, wo die Straßenverhältnisse wieder gut sind, wollen wir den frisch gewaschenen Bauch unserer Benzinrösser ordentlich mit „Schneps“ füllen, den rot-weißen Wimpel aufpflanzen und gemeinsam nach Nürnberg eilen.

Landschaftlich am schönsten ist die Hinfahrt über Eichstätt. Und gleich ein praktischer Vorschlag:

Alle autofahrenden „Bayern“ sammeln am Tage des Nürnberger Spieles um 7.45 Uhr vormittags in der Germaniastraße (Schwabing). Startpunkt 8 Uhr.

Fresskorb mitnehmen zum Picknick an einem sonnigen Waldrand. Dort soll alles andere wegen gemeinsamer Rückfahrt, evtl. auch gemeinsamen Abendessen besprochen werden. Gitarre, Maurerklavier (Anmerkung: umgangssprachlich für Ziehharmonika) oder Fotzhobel (Anmerkung: umgangssprachlich für Mundharmonika) nicht vergessen! Schon die erste gemeinsame Bayernausfahrt soll lustig und fidel werden, ein guter Auftakt für weitere Fahrten!

Füllen Sie auf alle Fälle sofort die Karte aus, die den Clubnachrichten beiliget, gleichgültig, ob Sie diesmal schon mit von der Partie sein können oder nicht.

Auf, ihr Herrenfahrer, rüstet für Nürnberg!

Der Vergnügungsausschuß, i.A. W. Buisson

Neben seinem Engagement beim FC Bayern arbeitete Buisson zunächst in verschiedenen Münchner Apotheken, bis er 1924 mit finanzieller Unterstützung des SPD-Landtagsabgeordneten Erhard Auer eine Nährmittelfirma in München eröffnen konnte. Auer war ein bayrischer SPD-Politiker, erster Innenminister des Freistaats Bayern und stellte sich als Sozialdemokrat der Politik der Nazis entgegen, wurde 1933 von den Nazis schwer misshandelt und im Gefängnis Stadelheim inhaftiert. Nach seiner Freilassung erhielt Auer ein Aufenthaltsverbot für München. Im Zusammenhang mit einem versuchten Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurde Auer, inzwischen schwer erkrankt, erneut verhaftet und im KZ Dachau inhaftiert. Aufgrund der vorrückenden alliierten Truppen wurde er wohl mit einem Krankenwagen nach Giengen verlegt, wo er am 20. März 1945 verstarb.

Zurück zu Wilhelm Buisson: Nach einem Attentat auf Erhard Auer 1921 stellte Buisson für diesen eine Sicherheitswehr auf, bekannt als „Auer Garde“.

Am 9. März 1933 organisierte Buisson die Verteidigung des Gewerkschaftshauses in München gegen die Nazis, musste aber die Gegenwehr auf Weisung der Münchner Parteiführung einstellen, die auf die Zusage des Schutzes durch die Polizei vertraut hatte. Die Polizei ließ aber die Nazis (SA) das Gewerkschaftshaus stürmen und prügelte auf die protestierenden Jungsozialisten ein.

Da seitens seiner Partei auf jeden aktiven Widerstand verzichtet wurde und Wilhelm Buisson Gefahr lief verhaftet zu werden, floh er im Juni 1933 in die Tschechoslowakei. In Neuern, in der Nähe der Grenze zu Deutschland versuchte Buisson vergeblich, einen Schwarzsender zu errichten. Außerdem beschloss er, aktiven Widerstand in Deutschland zu leisten und plante u.a. ein Attentat auf Hitler in der Umgebung von München.

Nach der Besatzung Österreichs durch die Nazis wurde Buisson am 14. März 1938 am Linzer Hauptbahnhof von der Gestapo festgenommen, die bei einer Kontrolle belastende Dokumente bei ihm gefunden hatte. Seine wahre Identität wurde erst im August 1938 entdeckt, da er sich bei der Festnahme in Linz mit gefälschten Papieren ausgewiesen hatte. Am 11. August 1938 wurde Buisson in Stadelheim von den Nazis inhaftiert. Der Volksgerichtshof München verurteilte unser Vereinsmitglied Wilhelm Buisson am 27. April 1940 wegen „Landesverrats“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ wegen des geplanten Attentats auf Adolf Hitler sowie „Ehrverlust auf Lebenszeit“ zum Tode.

Noch am 27. April 1940 wurde er von den Nazis nach Berlin ins Zuchthaus Plötzensee überstellt und dort am 6. September 1940 hingerichtet.

Quellen:

Südkurvenbladdl, 29. Januar 2015

Hofmann, Gregor; Mitspieler der „Volksgemeinschaft“ – Der FC Bayern und der Nationalsozialismus; Wallstein Verlag, 2022

nsdoku münchen - Beitrag

Reichsbanner Geschichte: Einzelansicht (reichsbanner-geschichte.de)

Person - Gedenkstätte Plötzensee (gedenkstaette-ploetzensee.de)

bundeswehr-journal Garching-Hochbrück: Bundeswehr will „Weiße Rose“ ehren - bundeswehr-journal

Quelle Abschiedsbrief: Wilhelm Buisson an seine Mutter Thekla Buisson, 5.–6. September 1940, BAB, R 3017/30407

Quelle Portraitfoto: Reichsbanner Geschichte: Person :: Wilhelm Buisson (reichsbanner-geschichte.de)

Quelle Plakat: Reichsbanner Geschichte: Person :: Wilhelm Buisson (reichsbanner-geschichte.de)


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