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Dr. max van wien

Aktualisiert: 13. März



geboren am 20. November 1899,

Deutscher jüdischer Herkunft,

Orthopäde,

seit 1930 beim FC Bayern,

Emigration 1933 in die Niederlande,

gestorben am 16. Mai 1975


Max van Wien wird am 20. November 1899 in München geboren. Er ist der Sohn von Berthold/Benjamin van Wien, geboren am 31. Mai 1867 in Winscholen, Oldambt, Groningen, Niederlande, und Babette, geborene Bein, geboren am 27. April 1875 in Königshofen, Thüringen, Deutschland. Ein Jahr zuvor kam sein Bruder Siegbert zur Welt. Max´ Vater hat sieben Geschwister, von denen sich mehrere, ebenso wie er, in den 1890er Jahren in München ansiedeln. Hier betreiben die Brüder den Tuchleinhandel „Gebrüder van Wien“ in der Herzog-Heinrich-Straße 22.

In den 1910er Jahren besucht Max van Wien das Gymnasium, um anschließend Medizin zu studieren. Bereits 1926 dissertiert Max an der LMU München zum Doktor der Allgemeinmedizin. In der „Bayerischen Ärztezeitung“ vom 28. Juni 1930 wird seine Aufnahme in den Ärztlichen Bezirksverein München-Stadt als Facharzt für Orthopädie in der Nußbaumstraße 30 vermeldet.


Beim FC Bayern München steigt in den Jahren zwischen 1925 und dem 30. Januar 1933 die Anzahl der erwachsenen Mitglieder von 567 auf 1.085. Jedes fünfte neue Mitglied in diesem Zeitfenster ist jüdischer Herkunft. Im Dezember 1930 schließt sich auch Max van Wien dem FC Bayern an. Mit ihm vermelden die Clubnachrichten in diesem Monat 19 Neumitgliedern, darunter auch der Metzgermeister Moritz Hamburger, der Fabrikant Emil Sommer sowie Max´ Cousin Dr. Otto van Wien. Wie Max haben auch die drei Genannten jüdische Wurzeln.

Bereits im Mai des folgenden Jahres 1931 tritt Dr. Max van Wien erneut in den Clubnachrichten in Erscheinung. In dieser Ausgabe wird sein Aufsatz „Nothilfe bei Sportverletzungen“ als Leitartikel über sechs Seiten publiziert. Inhaltlich referiert er hier hauptsächlich über die Erstversorgung von Verletzungen. Im September des Meisterjahres 1932 vermelden die Clubnachrichten noch seine neue Anschrift. Innerhalb der Ludwigsvorstadt zieht er in die Landwehrstraße 95.


Am 30. Januar 1933 bekommen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übertragen. Nur wenige Monate darauf wechselt Max van Wien erneut seinen Wohnsitz. Am 1. April 1933 zetteln hemmungslose, antisemitische Deutsche einen reichsweiten Boykott, initiiert vom fränkischen Gauleiter Julius Streicher, gegen jüdische Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte an. Auch in München werden an diesem Tag Kunden unter Androhung von Gewalt daran gehindert, jüdische Geschäfte und Praxen zu betreten. Max´ Vater ist Geschäftsinhaber, sein Bruder Rechtsanwalt und er Arzt.

Sie beschließen Deutschland zu verlassen, emigrieren in das Geburtsland seines Vaters. In den Niederlanden lassen sie sich in Amsterdam nieder, wo sie zukünftig in der Lomanstraat, nahe des Vondelpark, wohnen werden. Die Eltern setzen nach dem Einmarsch der Deutschen ihre Flucht vor diesen fort und werden für einige Jahre in England leben. Max, der mittlerweile die niederländische Staatsbürgerschaft angenommen hat, verbleibt in Amsterdam. Freunde nehmen das große Risiko auf sich, verstecken ihn auf einem Speicher und versorgen ihn dort mit Lebensmitteln. Obwohl die Niederlande in diesen Jahren das gefährlichste Land für Juden in Westeuropa ist, überlebt er dort den Holocaust.

Verwandten, die in München zurückbleiben, wird dies nicht vergönnt sein. Max´ Onkel Ferdinand wird nach der Reichspogromnacht nach Dachau verschleppt, wo er bereits am 14. November 1938 im Alter von 65 Jahren ermordet wird. Cousin Otto van Wien wird am 25. November 1941 in Kaunas ermordet.


Max van Wien eröffnet 1953 eine Artpraxis in der Churchill-laan in Amsterdam, die er bis zu seinem Tode betreibt. Er stirbt im Alter von 75 Jahren am 12. Mai 1975.


Andreas Wittner



Quellen:



Maximilian Israeli (Max) van Wien (1899 - 1975) - Genealogy (geni.com)


Bildquelle: Club-Nachrichten FC Bayern München, Mai 1931

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