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KARL BERNHARD FRIEDIGER -CHARLES B. FRIEDIGER


geboren am 21. Mai 1906 in München,

Deutscher jüdischer Herkunft,

Gastronom, Journalist,

seit 1923 Mitglied beim FC Bayern,

Rugbyspieler, Funktionär, 

Ehrenmitglied seit 1983,

Sohn von FC Bayern-Mitglied Markus Friediger,

Bruder von FC Bayern-Mitglied Leopold Friediger,

Internierung 1933,

Emigration über Wien, Prag, Paris und Lissabon 1941 in die USA,

gestorben am 22. Mai 1984 in Köln.

 

Karl Bernhard (B.) Friediger kommt am 21. Mai 1906 in München zur Welt. Seine Eltern sind Markus Max Friediger (1875 – 1945) und Hedwig, geborene Klein (1878 – 1945). Er ist das älteste von drei Kindern. Seine Geschwister sind Leopold (1908 – 1954) und Anna-Maria (1910 - 1996). Vater Max, der 1894 von seiner galizischen Heimatstadt Andrychow nach München gezogen ist, hat sich in diesen Jahren bereits in der dortigen Gastronomiewelt etabliert. 1910 betreibt er schon drei Cafés in der Innenstadt. Die Familie wohnt in der Brienner Straße 31. Die drei Geschwister wachsen in der Gegend um den nahen Königsplatz auf

 

Im Alter von 17 Jahren tritt Karl B. 1923 der gerade einmal ein Jahr bestehenden Rugby-Abteilung des FC Bayern bei. Sehr schnell entwickelt er sich zu einem der Stützen jungen Mannschaft. Als die Abteilung zu Jahresbeginn 1927 ihre Generalversammlung abhält übernimmt der gerade einmal 20-jährige auch außerhalb des Spielfeldes Verantwortung. Er wird zum 2. Vorsitzenden gewählt. Überhaupt ist die Familie Friediger mittlerweile nicht mehr wegzudenken aus dem Vereinsleben des FC Bayern. 1927 treten auch Vater Markus und Bruder Leopold in den Club ein. Die Friedigers, die neben zwei Münchner Hotels nun auch Häuser in Berlin, Dresden, Leipzig und Wien unterhalten, werden zukünftig zum regelmäßigsten Inserenten in den Clubnachrichten. 

 

An der Privatspielrunde des FC Bayern beteiligt sich seit Beginn dieser 1925, auch eine „Mannschaft Friediger“. Diese setzt sich aus Mitarbeitern der beiden Münchner Hotels zusammensetzt. Diese Hotels, „Stadt Wien“ und „Grünwald“, befinden sich in unmittelbarer Nähe des Münchner Hauptbahnhofes. Darüber hinaus stiftete der Vater den silbernen „Friediger Pokal“ für den Sieger der jährlichen Münchner Rugby- Meisterschaft. Zur Jahreswende 1928/1929 hält sich Karl B. für mehere Monate in London auf. Aber auch von dort ist er für seinen FC Bayern aktiv. In den Clubnachrichten von Januar 1929 ist ein mehrseitiger Aufsatz aus seiner Feder „Über die Sport-Auffassung in England“ abgedruckt.

 

Anfang der 1930er Jahre verlegt er seinen Wohnort nach Berlin. Hier übernimmt er zukünftig die Leitung eines Caféhauses in der Nähe des Kurfürstendamms. Bereits vor 1933 macht er wohl schon deutlich, dass er die politische Ausrichtung der Nationalsozialisten keineswegs für gut heißt. Dies hat zur Folge, dass er bereits kurz nach der Machtübernahme für mehrere Wochen interniert wird. Nachdem er wieder frei kommt, verlässt er unmittelbar sein Heimatland. Zukünftig lebt er in Wien, wo er in der Geschäftsleitung des „Hotel Metropol“ tätig ist, dessen Hauptanteileigner seine Familie ist. Es handelt sich um das größte seiner Art in der Donaumetropole. 

 

Nach der Besetzung Österreichs 1938 wird das Hotel von der Gestapo beschlagnahmt und zu deren Hauptsitz umgebaut. Karl B. flieht nach Prag, lebt vorübergehnd in Paris und Lissabon und wandert 1941 in die USA aus. Seit 1933 war er bereits in verschiedensten Widerstandsgruppen aktiv. 1939 wir er ihm seine deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Nationalsozialisten sind weiterhin auf der Suche nach ihm, erklären ihn offiziell zum Staatsfeind. Sie vermuten ihn in Großbritannien, setzen ihn auf die dortige Sonderfahndungsliste.

 

Karl B. überlebt den Holocaust, während seine Eltern ihr Leben lassen. Sie werden Ende 1941 nach Riga deportiert und in Auschwitz ermordet. Bruder Leoold gelingt die Flucht nach Palästina, wo er 1954 stirbt. Auch Schwester Anna-Maria überlebt die Shoa.

 

Nach 1945 ist Karl B., mittlerweile nennt er sich Charles B., von den USA aus für verschiedene Geheim- und Nachrichtendienste tätig. Darüber hinaus arbeitet er als Jounalist. Was er seit 1933, bedingt durch seine Verfolgung praktizieren musste, ein unstetes Leben zwischen den Welten, wird er auch zukünftig fortführen. Ende 1945 kehrt er vorübergehend nach Wien zurück, lebt aber schon bald darauf wieder in den USA. 

 

Auch beim FC Bayern wird sein Name fortan wieder Erwähnung finden. Ab 1953 finden die Mitglieder ihn, in der in den Clubnachrichten abgedruckten Geburtstagsliste, unter dem 21. Mai aufgeführt. Im Juli 1954 wird dort seine neue Adresse „Köln-Rath, Hansaring 97“ bekannt gegeben. Als der FC Bayern nach einjähriger Zweitgklassigkeit 1956 den Wiederaufstieg in die Oberliga Süd feiert, trifft das Glückwunschtelegramm von Chalres B. Friediger aus New York ein. Im März 1960 wird versehentlich sein Austritt in den Clubnachrichten mitgeteilt, was in der Folgenummer des Cluborgans aber umgehend wieder korrigiert wird. Für seine 50-jährige Clubzugehörigkeit ehrt ihn der damalige Präsident Wilhelm Neudcker 1973. Zehn Jahre später, in der Jahreshauuptversammlung am 21. März 1983 im Löwenbräukeller folgt die Ernennung des früheren Rugby-Spielers zum Ehrenmitglied des FC Bayern. Drei Tage nach seinem 78. Geburtstag, im 61. Jahr seiner Zugehörigkeit zum FC Bayern, stirbt Charles Bernhard Friediger am 24. Mai 1984 in Köln.

 

Andreas Wittner

 

Quellen:

 

 

 

 

 

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