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SIEGFRIED WEISENBECK


geboren am 18. Mai 1883 in München, 

Deutscher jüdischer Herkunft,

Textilkaufmann,

seit 1927 beim FC Bayern,

Suizid am 20. Juni 1938.

 

Siegfried Weisenbeck kommt am 18. Mai 1883 in München als drittes Kind des Großhändlers Jakob Weisenbeck (1837 – 1910) und Mathilde, geborenen Lämmle (1845 – 1918), zur Welt. Seine beiden älteren Geschwister sind Hugo (*1869) und Julie (1871 – 1942). Bei den Weisenbecks handelt es sich um eine wohlhabende Münchner Familie. Die Immobilie Isatorplatz 5, wo man seit 1918 wohnt, befindet sich in deren Besitz. Im Adressbuch der Stadt von 1912 sind unter dieser Adresse die mittlerweile verwitwete Mutter Mathilde und der Prokurist Siegfried Weisenbeck gemeldet. Des Weiteren ein Max Weisenbeck, der dort eine Hutfabrikation betreibt. Bruder Hugo führt als Textilgroßhändler das vom Vater übernommene Gewerbe im Nachbarhaus Isartorplatz 4 weiter. Auch diese Immobilie befindet sich im Besitz der Familie Weisenbeck.

 

Siegfried Weisenbeck ist seit seinen Jugendzeiten mit Kurt Landauer befreundet. Bis er in den FC Bayern eintreten wird, vergehen aber noch Jahre. In den Clubnachrichten vom Februar 1927 erfahren die Mitglieder, dass „Weisenbeck Siegfried, Direktor, Isartorplatz 5“ jetzt auch im Club aufgenommen ist. 

 

Als 1933 die Nazionalsozialisten an die Macht kommen, betreibt Siegfried unter selbiger Adresse eine Provisionsvertetung für Textil- und Kurzwaren. Hauptsächlich dürfte er zu dieser Zeit aber von den Mieteinnahmen mehrerer Geschäftsräume und Wohnungen im Isartorplatz 5 gelebt haben. Einkünfte dieser Art werden von den neuen Machthabern den sogenannten Nichtariern zukünftig sukzessive untersagt. 

 

Im Alter von 49 Jahren heiratet am 29. April 1933 Siegfried Weisenbeck. Seine Ehe mit Amalie, sie ist Katholikin, wird als sogenannte Mischehe bezeichnet. Trotz diesem persönlichem Glück folgten für Siegfried nun sehr schwierige, ja tragische Jahre, die für ihn in großer Auswegloskigkeit enden werden.

 

Sein Bruder Hugo, dem 1939 die Emigration in die USA gelingt, wird die Zeit für Siegfried ab 1933 im Rahmen des nach 1945 ersuchten Entschädigungsverfahren wie folgt beschreiben:

„Grund hierfür war, dass er die von ihm innegehabten Vertretungen als Jude verloren hatte und dadurch vor dem Nichts stand und weiterhin in ständiger Furcht vor der Verfolgung durch die Gestapo sich befand, so dass er keinen anderen Ausweg, als den Freitod für sich sah.“

 

Siegfried Weisenbeck stürzt sich am 20. Juni 1938 von der Großhesseloher Brücke in den Tod.

 

Andreas Wittner

 

Quellen:

Hofmann, Gregor; Mitspieler der „Volksgemeinschaft“ – Der FC Bayern und der Nationalsozialismus; Wallstein Verlag, 2022

Adressbücher München, diverse Jahrgänge

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