top of page
gedenkbuch weiss.png
kulturreferat.png
archiv.png
nie wieder.png
versoehnungskirce.JPG

HANS DANZIGER


geboren am 5. April 1897 in München,

Deutscher jüdischer Herkunft,

Bankbeamter, Immobilienhändler,

seit 1928 beim FC Bayern,

Jugendfunktionär, Schiedsrichter,

Emigration 1935 über die Schweiz

und Wien 1939 nach Chicago, USA,

ab 1954 wieder Mitglied beim FC Bayern,

gestorben im Juni 1969 in Chicago, USA.

 

Hans Danziger wird am 5. April 1897 in München geboren. Seine Eltern sind Kommerzienrat Albert Danziger und dessen Ehefrau Hedwig, geborene Landauer (1870 – 1936). Vater Albert war Teilhaber des Kommissionsgeschäft für Getreide und Futtermittel Abt & Danziger. Im Jahre 1917 meldet sich Hans Danziger, von Mannheim kommend, wo er wahrscheinlich seine Bankkaufmannsausbildung absolvierte - wieder in München zurück. Bis 1931 wohnt er bei seiner mittlerweile verwidweten Mutter in der Pettenkoferstraße 29 unweit der Theresienwiese.

 

Im Alter von 31 Jahren tritt er im Mai 1928 dem FC Bayern bei. Hier sticht er in den kommenden Monaten hervor, als er bei der Mitgliederwerbeaktion fünf seiner Bekannten ebenfalls davon überzeugt, ihm zum FC Bayern zu folgen.

 

Im Juli 1930 wird er in den Clubnachrichten erstmals als Mitarbeiter im Jugendausschuss erwähnt, wo er schon kurz danach zum Schriftführer der Abteilung ernannt wird. Im Jahresbericht im Sommer 1931 wird seine Arbeit von Jugendleiter Bermühler gewürdigt: „Hier muß ich einer, als über den Rahmen eines Jugendbetreuers – durch die Bewältigung des enormen Schriftverkehrs – weit hinausreichenden, getreuen und vorbildlichen Pflichterfüllung eines Mannes [...] dankbar gedenken und apostrophieren. Es ist dies unser unverwüstlicher Schriftführer, Herr Danziger.“ Darüber hinaus agiert Danziger ab der Saison 1930/31 auch als Trainer der IIIa-Schülermannschaft.

 

Im Juli 1931, mittlerweile wohnt er mit seiner Mutter in Schwabing in der Keuslinstraße 12, beabsichtigt er mit Fritz Gessert zusammen eine Jugendhandballmannschaft zu gründen. Ob dieses Vorhaben gelingt, ist nicht bekannt, aber eher unwahrscheinlich. Offiziell wird eine Handballabteilung beim FC Bayern erst nach dem Kriege im Jahre 1945 ins Leben gerufen.

 

Die Clubnachrichten vom August 1932 vermelden das Ausscheiden von Danziger, „welcher enorm viel Verwaltungsarbeit geleistet hat“, aus der Jugendabteilung, was für ihn aber nicht bedeutet, dass er nur noch passives Mitglied sein möchte.

Ein knappes halbes Jahr zuvor, im März 1932, hatte er sich bereits bei der Schiedsrichtergruppe des FC Bayern angemeldet. Er leitet ab der kommenden Saison 1932/33 Spiele in der A- und B-Klasse im Erwachsenenbereich.

 

Im Juli 1933 wird sein Name dann allerdings für über 20 Jahre ein letztes Mal in den Clubnachrichten erwähnt werden. In der Rubrik „Mitgliederbewegung“ ist in der Spalte „Austritte“ der Name Hans Danziger aufgeführt. Danziger scheint die Zeichen der Zeit zu erkennen. Er verlässt gemeinsam mit seiner Mutter die Heimatstadt München am 29. Dezember 1935 Richtung Schweiz. Von dort emigriert er 1939 über Wien in die USA, wo er in Chicago ansässig sein wird. So umgeht er die Verfolgung der Nationalsozialisten und überlebt durch die Emigration den Holocaust.

 

Gute 18 Jahre später, am 8. Juni 1954 betritt ein Amerikaner die Geschäftsstelle des FC Bayern in der Theatinerstraße 23. Der Endfünfziger bittet, im Münchner Dialekt sprechend, die Geschäftsstellenmitarbeiterin Frau Mayer, wieder in den FC Bayern eintreten zu dürfen. Er lässt sie wissen, dass er vor vielen Jahren bereits einmal dem Klub angehörte. Aus den USA sei er zu Besuch in Wien, und nun extra für den Wieder-Anmeldung nach München gekommen. Es ist Hans Danziger. Ebenso bittet er, ob er seine Ehrennadel für dreijährige ununterbrochene Funktionärstätigkeit beim FC Bayern nochmals erhalten könne. Sie sei auf seiner Flucht in die USA verlorengegangen. In der ganzen Aufregung vergisst er seinen vorbildlich ausgefüllten Aufnahmeantrag zu unterschreiben, ehe er die FC Bayern-Räume verlässt und sich wieder auf die Rückreise nach Wien begibt.

Nach seiner Rückkehr in Chicago bekommt er per Post den unvollständigen Antrag zugeschickt, den er umgehend unterschrieben wieder zurück nach München sendet. Auch sein „Ersatz-Ehrenzeichen“ liegt der Sendung bei. Regelmäßig erscheint nun auch wieder der Name Hans Danziger in den Clubnachrichten – jährlich im Geburtstagskalender im April. Den Beitrag begleicht er zukünftig in Dollar-Banknoten, die er per Post auf die Reise nach München schickt.

 

Als dem FC Bayern nach der einmaligen Saison 1955/56 in der damaligen 2. Liga Süd der sofortige Wiederaufstieg in die Oberliga Süd gelingt, ist es für Danziger eine Ehrensache, seinem Club per Telegram aus Chicago hierzu zu beglückwünschen.

 

Ab 1961 bleiben seine Beiragszahlungen aus. Auch die monatliche nach Chicago gesandten Clubnachrichten werden von dort wieder nach München zurück geschickt. Die Spuren zu Hans Danziger, der nie verheiratet war und auch keine Nachkommen hat, verlieren sich. Ab 1963, 35 Jahre nach seinen Erstbeitritt 1928, wird er als aus den FC Bayern ausgetreten geführt.

 

In der Ausgabe der überregionalen Zeitung „Chicago Tribiune“ vom 9. Juni 1969 wird das Ableben eines Münchners aus Chicago vermeldet. Das, aus seiner Heimat vertriebene, treue FC Bayern-Mitglied Hans Danziger verstirbt im Alter von 72 Jahren.

 

Quellen:

Datenbank NS-Dokuzentrum

Adressbücher München, diverse Jahrgänge

11 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page