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JOSEF BAYER


geboren am 21. März 1897,

Deutscher,

verheiratet mit der jüdisch stämmigen

Erna Henriette, geborene Levi,

Bankprokurist,

seit 1926 Mitglied beim FC Bayern,

Präsident von 1945 bis 1947,

Ehrenmitglied seit 1960,

infolge des Hitler-Attentats

im Juli 1944 interniert,

gestorben am 6. Dezember 1965.

Josef Bayer wird am 21. März 1897 in München geboren. Sein beruflicher Weg ist zeitlebens sehr eng verbunden mit dem jüdischen Bankhaus Aufhäuser. Bereits im Alter von 24 Jahren wird er 1921 in die Geschäftsleitung berufen, schon 1926 ist er als Prokurist tätig. Im April dieses Jahres tritt Josef Bayer als Mitglied dem FC Bayern München bei.

Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits mehrere Jahre mit der Münchner Textilkaufmannstochter Erna Henriette, geborene Levi (1898 bis 1967), verheiratet. Die Ehefrau, die aus einer jüdischen Familie stammt, konvertiert mit dem Eintritt in die Ehe zum Katholizismus. Das junge Paar hat auch bereits zwei Söhne, Walter (1922 bis 1945) und Rudolf (1926 bis 2021).

Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kommen, gehen die Geschäfte des Bankhauses Aufhäuser stark zurück. Mehrere Übernahmeversuche anderer Banken können in den folgenden Jahren verhindert werden, ebenso eine geplante Arisierung im Sommer 1938. Im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 kann eine Arisierung allerdings nicht mehr umgangen werden. Friedrich Wilhelm Seiler, der mit dem Bankier Martin Aufhäuser bereits im Sommer erste Gespräche geführt hatte, übernimmt die Bank. Die Geschäfte werden fortan hauptsächlich von Josef Bayer geführt. Die nationalsozialistischen Stellen können ihn, trotz seiner dem Regime gegenüber kritischer Haltung, aufgrund seiner Kenntnisse und Verbindungen ins Ausland nicht entlassen. Es ist nicht zuletzt Bayers Verdienst, dass es der Bank Seiler/Aufhäuser gelingt, in den Kriegsjahren auch ohne Rüstungsgeschäfte zu überleben.

Nach dem fehlgeschlagen Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 gerät das Bankhaus in die Fänge der Machthaber. Gesellschafter Otto Schniewind (1887 bis 1970), der in der geplanten Goerdeler-Regierung als Finanz- und Wirtschaftsminister vorgesehen ist, wird ins Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt. Auch Josef Bayer wird für zwei Monate in ein Internierungslager gebracht. Beide überleben die Haft. Auch seine Ehefrau Erna Henriette überlebt die Shoa. Sein Sohn Walter jedoch, wird als Soldat nicht mehr heimkehren.

Nach dem Krieg wird Josef Bayer, auf Empfehlung der in die USA emigrierten Familie Aufhäuser, von der amerikanischen Militärregierung als Treuhänder des Bankhauses eingesetzt. In den folgenden Jahrzehnten agiert er als persönlich haftender Gesellschafter. Darüber hinaus ist er als Präsident der Bayerischen Börse tätig.

Auch der FC Bayern benötigt Josef Bayers Hilfe in der Nachkriegszeit dringend. Im Herbst 1945 wird er als Nachfolger von Löwenbräuwirt Xaver Heilmannseder, der aufgrund seiner NSDAP-Mitgliedschaft das Amt abgeben muss, zum Präsidenten gewählt. Er führt den Club in der unsteten, nicht selten problematischen Zeit des Wiederaufbaus, unterstützt von Stellvertreter Siegfried Herrmann und Spielausschussvorsitzenden Conny Heidkamp, bis Kurt Landauer im Sommer 1947 aus der Schweizer Emigration zurückkehrt. In der Jahreshauptversammlung vom 19. August 1947 übergibt er den FC Bayern wieder in dessen bewährte Hände. Noch bis 1950 unterstützt Bayer die Vorstandschaft als Beisitzer. 1960 ernennt ihn die Vorstandschaft um Präsident Endler zum Ehrenmitglied des FC Bayern München.

Für seine gesellschaftlichen Verdienste wird er mit dem Bayerischen Verdienstorden und dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Im Alter von 68 Jahren verstirbt Josef Bayer am 6. Dezember 1965.

Andreas Wittner

Quellen:

Geschichte | Das Bankhaus | Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank (hal-privatbank.com)

Katja Klee: Bankhaus Aufhäuser (publiziert am 12.02.2024), in: nsdoku.lexikon, hrsg. vom NS-Dokumentationszentrum München, URL: https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/bankhaus-aufhaeuser-58

JOSEF BAYER | Südkurvenbladdl Onlinemagazin (suedkurvenbladdl.org)

Münchener Prominenz 1962-1963; UDM Verlag GmBH, München 1962


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